Gemeinschutz
Das Gemeinsame gemeinsam zu regeln ist eine evolutionäre Superpower.
Wir teilen uns die Welt mit Milliarden anderen Lebewesen. Wer gemeinsame Sache machen kann, ist klar im Vorteil. Die Menschheit überlebte dank ihrer Fähigkeit, das, was alle zum Leben brauchen, gemeinsam zu organisieren. Die Gruppe ist effizienter, kreativer und widerstandsfähiger, solange alle ihren Beitrag leisten und sich niemand ungestraft Vorteile verschaffen kann.
Ist das Vertrauen in die gemeinsamen Regeln intakt, wachsen Menschen über sich hinaus. Sie bauen Häuser, in denen sie nicht selber wohnen; sie unterstützen Menschen, die sie nie selbst kennenlernen werden; sie pflanzen Bäume, deren Früchte erst die Enkelkinder ernten. Weil so am Schluss mehr für alle hinausschaut, ist Kooperation ökonomischer als Konkurrenz. Dass sie auch noch glücklich macht, ist dann sozusagen extra.
Was werden sich Menschen wohl fragen, wenn sie auf die Zeit vor dem Systemwandel zurückschauen?
In Bilderbüchern lernten die Kinder schon damals früh, dass es ihnen nur gut geht, wenn es anderen auch gut geht. Soziale Fähigkeiten hatten einen hohen Stellenwert in den Lehrplänen, Unternehmen investierten in Teambuilding, im Sport wurde der Teamgedanke beschwört. Trittbrettfahren und Egoismus waren verpönt. Kooperation war fast überall der Standard, weil sie eben ein Erfolgsrezept war.
Weshalb also nicht dort, wo es um das Wichtigste ging, nämlich um das, was alle brauchen zum gut leben und überleben? Um die Zusammenarbeit aller Menschen als Gemeinschaft auf dem einzigen Planeten? Genau dort hatten sich die Menschen in einem Nullsummen-Spiel verirrt, wo nur gewonnen wird, wenn andere verlieren. Planet und Lebewesen auszubeuten war salonfähig unter dem Recht des Stärkeren. Wie Wissenschaft und Kinderbücher warnten, blieb so am Schluss weniger für alle.
Wie konnten die Menschen in diesem offensichtlichen Widerspruch leben? Weshalb dauerte es so lang, bis sie sich wieder auf ihre evolutionäre Superpower besinnen konnten?
